Zurück Zuhause?

May 23rd, 2010 by admin

Ich bin wieder in Berlin. Soviel steht fest.
Aber ob das jetzt wirklich mein Zuhause ist, weiß ich gerade noch nicht.
Es fühlt sich ein bißchen so an, als hätte ich an jeder meiner Reisestationen noch einen kleinen Koffer stehen gelassen.
Berlin kommt mir gerade genauso verrückt vor, wie mir Indien vorkam, als ich meinen ersten Tag dort verbrachte.
Mit dem Unterschied, daß ich hier eine Wohnung habe, ein eingerichtetes Zimmer, mit Dingen, die mir gehören. Brauche ich die eigentlich noch, wenn ich sie doch so lange nicht vermisst habe? Will ich diese Wohnung eigentlich noch?
Es zeichnet sich ab, daß sich einige Dinge verändert und verschoben haben.

Die Reise ist also nicht zuende, nur weil ich wieder in Deutschland bin. Nach der Reise ist vor der Reise ist nach der Reise ist vor der Reise ist mittendrin.
Und wenn alle indischen und thailändischen und deutschen und sonstigen Götter mit uns sind, dann fahre ich noch diesen Sommer endlich auf Tour. Mit dem lang ersehnten Film. Ein Mobil haben wir schon.
Soviel zum Thema Ankommen.
Also, sehen wir uns bald?
Ich freue mich auf Euch.

mobilew

Hai aus Dubai

May 17th, 2010 by admin

Liebe Leute,
dieser Ort ist das Verrückteste, was mir je passiert ist.
Ich schlage mich mit Umständen herum, mindestens 2 Outfits in meiner Tasche haben zu müssen, und bitte nicht casual. Ich lerne die geheimen Codes der Autofensterscheibenhöhe und -verspiegelung. Männer fahren hier die dicksten und teuersten und glänzenden Autos. Und ein beliebter Sport ist, auf den glänzenden und neusten Straßen zu fahren, und Mädels in anderen Autos auszumachen. Man hat die Scheiben auf Halbmast- exakt bis kurz unters Auge – so dass man rausgucken kann, aber selbst nicht gesehen wird. Achso, das ist notwendig, weil alle Scheiben schwarz verspiegelt sind. Ist nicht nur cool, sondern auch cool bei Wüstenwetter. (Übrigens, silber verspiegelte Scheiben gibt es auch. Selten. Und sie bedeuten, derjenige hat was mit den Royals zu tun. Entweder er ist selbst einer oder ein enger Vertrauter.)
Jedenfalls, wenn das Mädel vielversprechend aussieht, dann fängt man an, mit seinem dicken Auto laute Geräusche zu machen, sie zu überholen und neben ihr zu fahren, und so weiter. Gestern hatten wir ein knallrotes Audi Sportscar. Vorgestern einen grünen Ferrari. Und am ersten Tag einen dicken SUV Jeep. Marke hab ich vergessen, aber so ein Teil, mit dem man auch in die Wüste fahren kann und auf den Dünen cruisen. Das sieht besonders gut aus wenn man noch eine Rayban Brille trägt und eins von diesen weissen Kaftanen. Morgen werde ich mit Mohammed, das ist ein Freund von meiner Freundin Maliha, genau DAS tun. In die Wüste fahren. Und wahrscheinlich schwitzen. Und mich gleichzeitig ziemlich cool fühlen.
Davor aber werde ich auf den Burj Khalifa hinauf fahren – auf diesen unglaublich höchsten Turm der Welt. Und bitte bitte, ich möchte das Wetter haben, was man von Dubai erwartet. Nämlich blauen Himmel und weite Sicht!! Gestern war es doch tatsächlich so bewölkt, daß man die Skyline erst sehen konnte, wenn man direkt in der Mitte stand. Und DANN, dann fing es doch tatsächlich an zu stürmen und zu REGNEN! Oh, in Kombination mit Wüstenstaub, könnt Ihr Euch vorstellen, wie die Autos aussahen, als der Regen trocknete? Allesamt wie mit Grafitti besprüht. Die Garagenboys, Petrolstation Boys und sonstige mti Autopflege Beschäftigte haben bestimmt eine harte Nacht hinter sich, denn für heute muss doch alles wieder auf Hochglanz poliert sein…
Ja, ansonsten habe ich mir schon die Füße platt gelaufen in der Dubai Mall, einer der größten der Welt, und eine von 70 Shoppingmalls in Dubai. Es gibt einen Wasserfall, eine Eislaufbahn und ein Aquarium mit dicken Fischen. Ich habe eine halbe Stunde mit den Haien kommuniziert. Und lustigerweise waren in dem Auquarium (außer den ganz dicken Haien) fast nur Fische, die ich selbst persönlich auch beim Schnorcheln in Thailand gesehen habe. Ich fühlte mich ein bißchen wie zuhause.
So, jetzt muss ich mir überlegen, was ich heute anziehe. Die Hälfte meiner Klamotten steckt ja dummerweise noch in Delhi. Aber zum Glück hat Maliha einen vollen Schrank – mit angemessenen Kleidungstücken für eine Glitzerstadt und 7-Sterne-Hotels.

hai_in_dubai

hai_dubai

In Transit.

May 13th, 2010 by admin

Transit.

Es ist der 13.05.2010, ich bin in Delhi, es ist 17.10h Ortszeit. Mein Computer zeigt noch die Bangkoker Zeit an, nach der ist es 18:42h – und das sagt auch mein Kopf – mindestens. Eigentlich flüstert er sogar 22.30h, 22.30h! Gestern um 14 Uhr bin ich losgefahren, mit einem kleinen Taxiboat – direkt von meinem Traumstrand, mit meinem Rucksack vorne im Bootsbug. Über die knallblauen Wellen hat mich Jack, der Sohn der Bungalowbesitzer gefahren, durchsichtiges Meer bis 7m Tiefe, unter einer schattenspendenden Bob Marley Flagge saß ich. Das war der Beginn der Reise, die 48 Stunden dauern soll. Eigentlich war sie halb so lang geplant, mit einem Zwischenstop in Delhi, bei I.P., mit einem letzten gemeinsamen indischen Dinner im 40 Grad heissen Delhi. Aber da war mir noch nicht klar, daß Indien mich nicht mehr reinlassen würde. Bist Du sauer über meine rasante Abreise zum Traumstrand? Lässt Du mich deswegen nun 24 Stunden im Transit Bereich Deines Indira Gandhi Flughafens warten?
Dabei hat doch alles so reibungslos begonnen. Nach dem Taxiboot mit Jack Marley (hieß Johnny Depp in Pirates of the Caribbean nicht auch Jack?), und einem letzten Coconut-Mango-Shake auf der Insel, saß ich auch schon im Highspeed Catamaran, der mich aufs thailändische Festland brachte. Dort lerne ich einen Canadier und einen Amerikaner kennen, die den gleichen Plan haben wie ich: direkt bei Ankunft in Bangkok ein Taxi zum Flughafen suchen und dort die halbe Nacht rumhängen bis zur Flugabreise am nächsten Morgen. Perfekt. Das wird für uns alle billiger als gedacht. Wir sitzen eine halbe Stunde im Schatten und schwitzen trotzdem nochmal eben schnell 2 Liter Schweiß auf thailändischen Grund. Dafür ist es dann im AC-Luxury-Bus so kalt, daß sich das paar Socken, was ich dabei habe endlich auszahlt. Ich habe tatsächlich keinen Sitznachbar, was bedeutet, daß ich mich auf den beiden Sitzen zusammenrollen kann und tatsächlich zwei Stunden Schlaf finde.
Der Bus rollt sachte dahin, wir fahren durch den thailändischen Dschungel, Palmen jeglicher Couleur, Menschen auf Motorrollern, und ein sagenhafter Sonnenuntergang über einer hügeligen Landschaft. Auf unserem Weg durch die Dörfer und kleinen Städte sehe ich soviele interessante Details, ich beginne schon jetzt, das tropisch feuchte Klima zu vermissen, die Früchte und die Palmen. Und ich merke, wieviel dieses Thailand wohl noch versteckt. Ich habe einen kleinen Exklusiv-nur-Strand-Urlaub gemacht. Genau das habe ich gebraucht und gewollt. Aber ich möchte gerne ein nächstes Mal haben – und mehr sehen vom Cocosnuss-und-pinke-metallic-Taxis-mit-Spoiler-Land.
Während der Busfahrt denkt es sich hervorragend und ich erinnere mich an die Busfahrt von Delhi nach Rishikesh. Als Belu und ich den Local Government Bus nahmen, aus Geld und Zeitgründen. Es gab keine Zugtickets mehr für die 250km Strecke. Und deswegen setzten wir uns in dieses rostige Gefährt. Nachts um 23 Uhr am Interstate Bus Terminal in Delhi. 357 Busse in alle Himmelrichtungen und ebenso viele Stimmen, die die Zielorte schreien oder Snacks verkaufen wollen. Wir wussten, der letzte Bus heute fährt in wenigen Minuten, irgendwann in der nächsten halben Stunde. Aber von wo? Und da machten sich meine Hindi-Lese-Skills tatsächlich mal sehr nützlich. Ich entziffere auf dem Bus die Richtung “Rishikesh”. Wir steigen ein und 10 Minuten später geht es los.
Wir sitzen auf Plastikhocker ähnlichen Sitzen. Meine Füße auf meinem Rucksack. Und vor mir und neben mir und hinter mir Gepäck. Ratter Ratter Ratter. Der Busfahrer schraubt wie ein Beserker an dem riesigen Lenkrad. Moment, hier passen doch noch zwei Leute rein. Es sitzen ungefähr 5 Leute im Fahrerbereich. Ich schreibe ungefähr, weil ich nur Gliedmaßen sehe, aber nicht wirklich sehen kann, wieviele Leute es sind. Es ist dunkel auf Indiens schritt Straßen und dunkel in den Bussen. Ist auch besser so, beschliesse ich, als ich am nächsten Morgen in der Dämmerung sehe, wie und wo lang wir fahren. Dass es bergauf und bergab durch die Schlaglöcher geht konnte ich wohl ahnen während der 10 Stunden Fahrt. (Moment mal, 10 Stunden für 250km?!?)
Aber mit welchen Stahlnerven der Busfahrer gesegnet ist, konnte ich nicht ahnen. “Om Nama Shiva ja – Om Nama Shiva ja” Ich sende tatsächlich Stoßgebete gen Himmel.
Mein Rücken schmerzt, als ich aus dem Bus steige. Und als wir morgens um 06 Uhr wieder in Rishikesh ankommen, müssen wir erstmal zwei zuckersüße Chai auf den Schock trinken. Hmmmm. Daraufhin geht es mir wieder gut.
Wieder zurück in Thailand. Hier sind die Straßen wie die ordentliche deutsche Autobahn. Von dem Luxusliner geht es direkt ins Taxi. Diesesmal ist es nicht pink metallic sondern rot metallic. Aber es hat auch einen Spoiler. Und wir brausen rasant dahin, morgens um 01 durch Bangkok. Unterführungen, Straßenkreuzungen, Cyber Cyber. Und dazu: Backstreet Boys greatest Hits. Der Taxifahrer und ich können alle Texte auswendig. Mein amerikanischer und mein kanadischer Freund versuchen möglichst unbeteiligt aus dem Fenster zu schauen. Ich ignoriere einfach mal dass sie sich wahrscheinlich ihren Teil denken – und denke mal ausnahmsweise nicht.
“Quit playing games with my heart…!”
So. Und jetzt, Indien, bitte auch Du, quit playing games with my heart. Verzeih mir, daß ich so fluchtartig gegangen bin. Denn auch ich verzeihe Dir, daß Du mich dieses Mal nicht mehr Deinen Boden betreten lässt. Aus meiner ersten spontanen Liebeserklärung ist eine tiefe Verehrung geworden. Und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann ich zum nächsten Lassi vorbei komme. Ich verstehe jetzt, wovon Patrick geredet hat, als er meinte, er fliegt am liebsten “Air India”: denn da riecht es schon nach einer Mischung aus Incents, Schweiß und Curry, wenn man in Frankfurt in den Flieger steigt – und man ist sofort in Indien. Ich bin mit Air India von Bangkok nach Delhi geflogen. Und hatte schon jetzt ein kleines bißchen sentimentale Anflüge. Nächstes Mal kommt bestimmt. Mit einer Extraportion Kohletabletten im Gepäck. Namaskar. Prem & Shanti.

Wissen Sie eigentlich noch, was los ist?

May 11th, 2010 by admin

Ich erinnere mich gerade an die warnenden und besorgten Worte meiner Mama, als ich ihr von meiner Entscheidung erzählte, einen 4 Wochen Yoga Intensiv Kurs in Rishikesh zu machen. Und nicht so lange Zeit wie geplant in der großen und lauten Stadt Delhi zu sein.
“Es haben sich schon einige Leute in Indien verloren. Und die Beatles damals haben es auch nur knapp geschafft.”
Hmm. Ich bin ja nicht die Beatles. Leider. Obwohl ich ja mit 14 auf meiner Höchstphase der John Lennon Euphorie dachte, ich könnte ja eigentlich die Reinkarnation von John Lennon sein – denn tragischerweise wurde er ja in meinem Geburtsjahr erschossen. Wer weiß, mittlerweile habe ich auch soviel über Reinkarnation nachgedacht, daß dieses Konzept sich nicht mehr so absurd anhört, wie es das mal tat.
Ja, aber bevor ich mich jetzt auch noch in diversen philosophischen Ausschweifungen verliere, zurück zum Anfang des Textes.
Warum schafft es eigentlich kaum jemand, einen Reiseblog durchgehend zu füllen? Anfangs liest man die Euphorie des Neuen, dann werden die Berichte dünner und dünner – und schließlich verläuft sich das Ganze im Sande. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß es an der Gewöhnung liegt, die nach einigen Wochen unweigerlich einsetzt. Das, was sich am Anfang noch so fremd und neu anfühlt, wird schon bald zum Alltag. Und auch wenn ich noch immer über viele Kleinigkeiten staune, so ist es doch schon normal für mich geworden, ohne Helm auf dem Motorrad hinter meinem indischen Freund zu klemmen, durch den Rikschaw/ Kuh/ Motorrad/ Auto/ indischen Chaos-Strassenverkehr zu gurken. Brennenden Plastikmüll an den Strassenecken zu sehen und vor allem zu riechen, vermischt mit dem Geruch von dicken Räucherpasten. Jeden Morgen den Staub von meinem Tisch zu wischen, der täglich durch das Fenster weht, sich morgens außerdem nicht zu ärgern, wenn es mal wieder kein Wasser gibt – und die Zustände der Toiletten zu übersehen.
Man merkt auch, daß man angekommen ist, wenn man nicht mehr weiß, was man fotografieren soll. Was ist jetzt eigentlich wirklich interessant? Wahrscheinlich millionen Dinge – nur daß ich nicht mehr genau differenzieren kann. War das, was ich anfänglich spannend fand, dann eigentlich nur Klischee? Jetzt kommt es mir fast so vor, wenn ich die Kamera auf etwas halte. Ich versuche, mir vorzustellen, was MEIN Gefühl für diesen Ort am besten transportiert. Und dann lasse ich es mit dem fotografieren, und schaue lieber. Ich werde erzählen, wenn ich zuhause bin.

Ich bin also tatschlich versunken in diesem Land Indien. Mit Haut und Haar. Mit unangenehmen Darmparasitenerkrankungen und höchsten Glücksgefühlen beim Yoga. Ich habe mich innerlich und äußerlich verrenkt und ja, ich habe mich ein bißchen verloren. Irgendwann zwischendrin wollte ich nicht mehr zurück nach hause.
Vielleicht ist genau das der Sinn einer jeden Reise. Man nimmt soviele Dinge mit, findet sich neu – und dafür lässt man auch bereitwillig Dinge zurück. Ich habe ganz andere Dinge getan und gesehen und gefunden, als das, was ich eigentlich vorhatte. Aber das, was man vorhat, ist ja auch nur eine Vorstellung – und wann stimmt die schon mit der Realität überein?

Ich fange gerade an, meine Zeit in Indien zu reflektieren – obwohl ich noch gar nicht zuück zuhause bin. Ich bin noch mitten drin in den fremden Welten. Allerdings seit 10 Tagen sitze ich in einem tropischen Paradies. Denn das bunte, laute, intensive, räucherstäbchenbeladene Indien hat mir am Ende ein bißchen zu viel von allem gegeben. Ich habe mich unendlich gesehnt nach ein bißchen Ruhe und ein bißchen klarer Luft und Sonne und Freiheit und Sauberkeit. Und habe mir in einem schrottigen Internetcafe in einer Vollmondnacht in einer “jetzt-schnell-es-ist-gerade-Strom-da”-Minute ein Flugticket nach Bangkok gekauft. 48 Stunden später hatte ich einen Bungalow am Strand, abseits von allem, mit Sternschuppen in der Nacht fluoreszierendem Plankton. Und kristallblauem Wasser und Palmen am Tag.
Ich esse Kokosnüsse und Bananen und Mangos und Mango-Steen (das ist DIE Neuentdeckung in der Früchtewelt!). Es ist erstaunlich, wie einfach das Leben sein kann.
Und hier funktioniert sogar das Internet.
Ich befinde mich in der absurden Situation auf einer schicken Palmeninsel zu sitzen, in einer Bambushütte mit 24h Meeresrauschen und dabei auch noch hervorragend an irgendwelchen Projekten arbeiten zu können.
Okay, zugegebenermaßen, auch hier gibt es Stromengpässe. Denn die Insel bezieht ungefähr 90 % des Stroms von Generatoren. Und da wird dann alle 2 Tage wechselseitig der Strom auf der einen Hälfte der Insel abgeschaltet. Allerdings WEISS man dann, wann der Strom wieder kommt. Und woran es liegt.
Oje, ist das etwa die deutsche Mentalität, die da zum Vorschein kommt? Vielleicht. Vielleicht bin ich auch einfach noch etwas müde. Und weiß wieder einmal mehr zu schätzen, was ich zuhause habe.
Noch 3 Tage darf ich hier in diesem Tropenparadies sitzen. Dann geht es über einen kurzen Abstecher in Delhi weiter nach Dubai. Und von dort aus dann nach hause. Dubai. Wenn wir also von Luxusproblemen reden, dann darf ich ja mal gespannt sein, mich in dieser Stadt erwartet, die ich nur in der Nacht und von oben gesehen habe auf dem Hinflug. Da sah sie aus wie ein riesiger Computerchip.

Freunde, ich bin sowas von voll mit Geschichten. Vielleicht finde ich noch ein bißchen Zeit in den kommenden Tagen, sie runter zu schreiben. Vielleicht erzähle ich aber auch alles auf einmal wenn ich wieder zurück bin. Bereitet Euch schonmal mental darauf vor. Shanti Shanti.

palm

amritsar in motion

April 2nd, 2010 by admin

Gold Gold Gold! Und Turbane

March 31st, 2010 by admin

“Drei Tage wirst Du in Amritsar sein? Das ist schon fast mehr als genug! Denn ausser der Closing-Zeremonie an der Indisch-Pakistanischen Grenze und dem Goldenen Tempel gibt es nichts zu sehen.”
(Standard-verbreitete Variante der touristischen Sicht zu Amritsar und von allen Befragten einschließlich vieler Inder im Vorwege meines 3-Tages-Trips gehört.)

Ich habe eine Schwäche für Tempel jeder Art: Moscheen, Synagogen, Kathedralen, Dorfkirchen, Schreine, Tempel mit tausend Glocken. Die brauchtumsschwangere Luft, die Andächtigkeit, die Gottesehrfurcht, die Ruhe ziehen mich unweigerlich in ihren Bann. Dabei ist es gleich, ob die Tempel in Betrieb sind, kräftig geschmückt oder karg möbliert. Sie alle sind Versammlungsstätten von Gemeinschaften, die sich zusammenfinden, um zu beten – um ihre weltlichen und alltäglichen Sorgen einer höheren Macht zu unterstellen. Wie auch immer diese Macht heissen mag.

Ich habe eine Schwäche für Tempel – und für die dazugehörigen Religionen. Aber wie kann ich mich selbst einer einzelnen Geisteströmung zugehörig fühlen? Es gibt soviele unterschiedliche Wege, wie kann es da sein, dass fast alle Religionen von sich behaupten, der Einzige und Richtige Weg zu sein? Und so kommt es, dass ich voller Neugier die Tempel dieser Welt besuche, mir alles anschaue, anhöre, versuche zu verstehen – und trotzdem immer mit einer gewissen Distanz und leichter Befremdung außerhalb der (Glaubens-)Gemeinschaft stehe. Das hört sich zunächst etwas unangenehm an – ist es aber gar nicht. Man ist eben nicht Gläubiger sondern wohlwollender und interessierter Besucher. Und wenn man alle vorgeschriebenen Verhaltensregeln des jeweiligen Glaubensortes beachtet, fällt man auch meist nicht weiter auf. Allerdings habe zumindest ich in dem Augenblick wo ich neben einer Masse ehrfürchtig betender Menschen in ihrem Tempel stehe, das Gefühl, am falschen Ort zu sein und die Ruhe der Andacht zu stören.

Jetzt kommt die Geschichte vom Goldenen Tempel und von den Sikhs. Denn ich hätte niemals gedacht, dass ich etwas so besonderes finden werde in einem (okay zugegebenermassen ziemlich fancy weil vor goldglänzenden) Tempel, dem obersten Heiligtum einer mir bisher nicht geläufigen Minderheitenreligion von ca. 20 Millionen Anhängern hauptsächlich im Punjab/ Nordindien. Dass ich mich zuhause fühlen kann an einem so fernen Ort. Und das ich etwas darüber schreiben müsste, was sich im Rückblick derartig kitschig anhört.
Vielleicht war es das gesamte Setting, die langsame Vorbereitung auf den finalen Schlag mit der Religions-Keule:

01.
I.P.s Familie ist eine Sikh-Familie.
Ich liebte von Anfang an die Gesänge vom Punjab TV, die live aus dem Goldenen Tempel übertragen werden, und die I.P.s Mama täglich verfolgt und andächtig betet. Sikhs sind für mich also nette Menschen mit schönen Gesängen, die Männer alle mit Turbanen und Bärten am Kopf.

02.
Die großartige Ankunft in Amritsar.
Nach der nächtlichen Zugreise von Haridwar, wieder einmal durchgeschüttelt und kaum geschlafen, gibt es in Amritsar am Bahnhof einen kostenlosen Bus, der direkt zum Goldenen Tempel fährt.
Dort angekommen gibt es auf dem Tempel-Gelände ein riesiges Gästehaus für Pilger, welches allen offen steht. Allen. Ich komme kaum um die Ecke, da wird mir schon von einem netten Mann in weiß mit blauem Turban (Tempel-Diener-Uniform) ein Bett in einem 3er Mädels-Zimmer angeboten. Drei Nächte kann man als Pilger – egal woher und wer man ist – kostenlos hier wohnen. Und: Ich habe noch nirgendwo in Indien derart saubere Duschen und Toiletten gesehen. Aufgrund der hohen Fluktuation wird hier geschrubbt, was das Zeug hält und es riecht nach Zitrone.
Nach dem Sich-Frisch-Machen vom Reisedreck gibt es Frühstück im “Free Kitchen”. Langar heisst das Ganze in der Sikh Tradition. Es bezeichnet ein gemeinsames Essen aller vor dem Betreten des Tempels und vor der gemeinsamen Diskussion, dem Gebet oder sonstigen Zusammentreffen. Nebeneinander sitzend – ohne Unterscheidungen nach Klasse, Kaste, Geschlecht – wird jedem das gleiche Essen serviert. An diesem Morgen gibt es köstlichen Kokosnussreis, Chapati, Dal und Sabzi – in hervorragender Qualität! (Welche Töpfe bewältigen bloß diese enormen Mengen an Essen?!?!)

01_amritsar_bus

01_amritsar_boys

03. Die Turbanmode.
Hier kann sich das Auge kaum satt sehen an merkwürdigen Kopfbedeckungen.
Von kleinen, mit buntem Tuch bedeckten Knödeln oberhalb der Stirn, die das lange Haar zusammenhalten bis zu riesenhaften Turbanen, in denen man zwei Kleinkinder transportieren könnte ist alles möglich. Sikh-Männer lassen ihre Haare wachsen und wachsen und wachsen. Frauen tun das ja sowieso. sie flechten sich ihre Haare meist, wohingegen der Mann sie mit seiner Spezialtechnik unter dem turban verstaut. Es gibt Läden mit einer riesigen und farbenfrohen Auswahl an Turbanen. Und meist wird zur Farbe des Turbans auch das passende Hemd getragen.

01_amritsar_turban

04. Die unglaubliche Schönheit des Ortes:
Die Reflektion des Lichts auf dem Gold des Tempels und die Reflektion des Tempels auf dem Wasser – je nach Tages- oder Nachtzeit versprüht dieser Ort einen ganz besonderen Glanz.

05. Die Rituale.
Ich habe alles gemacht. Morgens um 02 Uhr aufstehen und das rituelle Bad im Heiligen Wasser nehmen. Männer nehmen es irgendwo in dem quadratischen Wasserbecken, welches den Tempel umgibt – Frauen nehmen es blickgeschützt im Frauenbadehaus. Idealerweise badet man vor dem Betreten des Tempels. Und ja nicht abtrocknen! Heiliges Wasser muss einziehen und sollte nicht im Frottee versickern.
Ab 02:30h Im Goldenen Tempel sitzen und den ewig fortlaufenden Gesängen und Gebeten lauschen – am geöffneten goldenen Fenster im ersten Stock. Mit Blick auf das Wasser, mit Blick auf die Deckenmalereien, die Spiegelmosaike, die Gravuren in Gold. Um diese Uhrzeit kommen nur die wahrlich Ergebenen, man kann sich seinen Lieblingsort aussuchen – und man muss nicht stundenlang vor dem Eingang anstehen.
Bei Sonnenaufgang um 06:45 steigt man auf das Dach des Tempels steigen und den Rundblick zwischen den goldenen Spitzen geniessen.
Auf dem Weg nach draußen Prashat nehmen (Das heilige Brot der Sikhs – eine Mischung aus Mehl, Zucker, Ghee und Wasser. Warm und in Form einer Klumpens wird es einem in die beiden geöffneten Hände geklatscht. Und nach dem Genuss dieser braun-süßen Masse fühlt man sich wahrlich gesegnet).
Zu guter Letzt: eine Flasche mit heiligem Wasser für I.P.s Mama befüllen.

Was ist es jetzt also, was mit mir passiert ist – irgendwo zwischendrin in Amritsar?
Denn ich bin selig abgereist von diesem Ort.
Die Religion der Sikhs hat mich zutiefst beeindruckt. Auch wenn ich vieles davon nicht verstehe.
Die Atmosphäre, die Gastfreundschaft, die Offenheit an diesem Ort hat mich geöffnet.
Und vielleicht habe ich ihn gesehen, den Gott. Das Universum.
Und mich eins gefühlt.
Vahe Guru.

01_amritsar

Es wird heiss

March 18th, 2010 by admin

Ich befinde mich nun bereits in Woche 5 meines Indienaufenthalts. Und hatte doch tatsächlich zwischenzeitlich den übermütigen Gedanken, etwas verstanden zu haben – oder mich zumindest an dieses Umfeld gewöhnt zu haben. In gewisser Weise stimmt dies auch: Ich kenne an diesem Ort mittlerweile ein paar sehr nette Menschen, habe meine Lieblingsorte und Lieblingsgesprächspartner. Ich kann alle Standardspeisen wie z.B. Alloo Mathar, Alloo Ghobi, Palak Paneer, Veg Dosa, Raita und Dal zuordnen und deren Qualität beurteilen. Ich weiß, wieviel ich für eine Rickshaw und für eine Flasche Wasser bezahlen muss und was all diese mysteriösen Dinge auf der Strasse sind, die zum Verzehr angeboten werden.
Was man in diesem Land allerdings nie wissen kann, ist, wo die nächste Überraschung lauert, die einem die Pläne durchkreuzen kann.
Erklärbar am Beispiel 01: Verabredung um 17.30h vor der Yoga Hall.
Ich bin den ganzen Tag auf der anderen Seite des Flusses unterwegs, um Besorgungen zu machen. Ich treffe einen netten Menschen, mit dem ich einen Tee trinken gehe. Es ist der 15.03. und die Stadt ist ungefähr gefühöt 300 mal so voll wie sonst. Denn in Haridwar, beim Kumbh Mela (das größte religiöse Zusammentreffen der Welt…) ist Badetag. Ein besonders heiliger Tag. Haridwar ist 20km von hier entfernt. Unten im Tempel, unter meinem Guesthouse schlafen seit einigen Nächten Pilger auf dem Boden, und schon seit 06 Uhr morgens sind Gesänge und Gebete zu hören. Okay, ich befinde mich also auf der anderen Seite und kämpfe mich durch die bunten Menschenmassen in Richtung Brücke, um zur Verabredung zu kommen. Menschen aus Rajastan sehen am Schönsten aus. Die Männer haben fluoreszierende Turbane an, die Frauen tragen wunderschöne Röcke und reichhaltigen Silberschmuck an allen vier Gliedmaßen. Um 17.35 komme ich ziemlich durchgeschwitzt und erschöpft von den Eindrücken und körperlichen Drücken an der Brücke an. Und sehe: sie ist gesperrt. Nur in eine Richtung kann man sie passieren – und das ist nicht meine. Dem nicht vermögenden Pilger bleibt nur eines über: Zurück laufen nach Ramshula, eine halbe Stunde Fussmarsch. Da geht es in die andere Richtung über den Fluss. Für die etwas vermögenden Menschen gibt es heute einen Boot-Shuttle auf die andere Seite. Den gönne ich mir. Und sitze damit das erste Mal AUF dem Ganges. Unser Fahrer fährt sogar noch ein paar Extrarunden und lässt das Boot ordentlich springen. Bestens gelaunt komme ich um 18 Uhr an meinem Verabredungsort an, und warte. Meine Verabredung ist um Viertel nach 6 da. Mit einer ähnlichen Geschichte.
Beispiel 02. Strassen-Essen.
Es ist heiss geworden. Man benötigt auch nachts keine Decke mehr. Morgens im Ganga-Wind vielleicht noch ein Tuch um die Schultern gebunden. Aber ansonsten heisst es tagsüber: Schwitzen, Schwitzen, Schwitzen. Wenn man dann Spazieren geht, muss man ordentlich Flüssigkeit zu sich nehmen. Ich bin jetzt schon so lange hier und habe schon in den schäbbigsten Strassenimbissen gegessen. Also keine Angst mehr vor Bakterien. Ich kaufe mir für 10 Rupees ein Lemonwater auf der Strasse. Diese Stände sehen besonders schick aus. Vorne auf dem ziehbaren Handwagen stehen 20-30 0,3l Glasflaschen, auf denen kleine, gelbe Zitronen liegen. Hinter den Flaschen stehen zwei riesige Tonkrüge, mit rotem Tuch bedeckt. In diesen sind (zumindest am Anfang des Tages) Eisblöcke verstaut und noch mehr von diesen Flaschen. Bestellt man ein Lemonwater, presst der nette Mann einem eine Zitrone mit einem Holzwrkzeug aus, welches Ähnlichkeit hat mit einem Nussknacker. Auf Wunsch kommt noch Minze mit rein. Dann holt er eine der gekühlten Flaschen aus dem Tonkrug, und knallt mit einem spitzen Gegenstand den Korken aus der Flasche. Vermischen. Trinken. Normalerweise lecker.
Aber dieses eine Mal hat es komisch geschmeckt. Irgendwie chemisch. Und eine Stunde später explodierte die Bombe. Übelkeit. 1 Tag Fieber. Und Toilettendauerbesuch. Verdammt. Hätte ich es nicht besser wissen können?
Doch das ist eindeutig das Deutsche Gehirn, welches hier fragt. Wer sich in Indien mit diesen Selbstbefragungen aufhält, verliert unnötig Zeit. Es gibt keine Garantie für sauberes Essen, es gibt keine Garantie für Gesundheit. Und es kann jeden erwischen, jeder Zeit. Das sagt sogar der nette Manager in meinem Guesthouse, der mir nun seine ayurvedische Hausmedizin reicht. Schön Joghurt und weissen Reis und Banane essen. Und abwarten.
Ist sowieso zu heiss draussen. Und es gibt ja schliesslich auch wieder genung zu tun.
Denn, als letzten Satz, an alle, die meine Pläne im letzten Jahr verfolgt haben:
MishMashMe hat den ersten finanziellen Zuschlag bekommen, und damit sind wir einen grossen grossen Riesen-Schritt weiter. Ich tippe und tippe und plane und plane. Und freue mir ein Loch in den Bauch.
Vielleicht kommt auch daher meine Anfälligkeit- hihi.

Indische Gottheiten Part 2: Hanuman

March 9th, 2010 by admin

Ich mag alle Goetter, die etwas mit Tieren zu tun haben. Und da stoplert man unweigerlich ueber Hanuman – den Mann mit dem Affengesicht. Der, der Rama beschuetzt und der eine Affen- und andere Tiere Armee anfuehrt, um den Zweifel in uns zu besiegen.
Jedes Mal, wenn ich mich auf den Weg mache zum Internetcafe, begegne ich ihm auf der Strasse. Und er segnet mich.
Ja, und dieser menschliche Hanuman glaubt es wirklich, dass er es ist – eine wirkliche Inkarnation des Affengottes.
Wie lange er wohl jeden Morgen vor dem Spiegel steht?

यत्र यत्र रघुनाथ कीर्तनम् तत्र तत्र क्रित मस्तक अन्जलिं बष्पावरी परीपूर्ण लोचनम् मारुतिं नमश्च राक्षस अंतकम्।

That wherever the deeds of Sri Rama are sung,
At all such places does Hanuman cry tears of devotion and joy,
At all such places does his presence remove the fear of demons.
hanuman01

Ganesha – the remover of all obstacles.

March 6th, 2010 by admin

Seit ein paar Tagen schon bin ich umgezogen in ein anderes Guesthouse – Rajasthan heisst es. Und ich fühle mich sehr wohl in meinem neuen Raum. Ich habe jetzt einen gefliesten Boden mit Schnörkelmuster, genug Platz für Verrenkungen und Souvenirhäufchen und reizende Betreuung von Seiten der indischen Familie, die das Guesthouse betreibt. Die ca. 1,5 Jahre alte Tochter des Hauses wirft einem bei jeder Gelegenheit wahlweise Kusshände oder auch tiefe kajalumrandete Blicke mit Namaste-Geste zu. Von der Strasse aus ist das Guesthouse gar nicht als solches zu erkennen, da es seinen Eingang mit dem eines Tempels teilt. So schlafe ich nun wohlbehütet über Krishna, Shiva, Hanuman und allen anderen – gefühlt 500 – Göttergestalten. Wenn man sich das doch bloß mal merken könnte, wer wie und wann mit wem und wofür. Soviel ist mir hängen geblieben: Brahma ist der Schöpfer der Welt, Vishnu ist ihr Hüter und Shiva ist der Zerstörer. Am liebsten mag ich Ganesha, den Elefanten – der, der dafür da ist, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Seit ein paar Tagen steht deswegen ein knallroter Elefant auf meiner Fensterbank und schaut mich treudoof an, sobald ich morgens die Augen aufschlage. Da bleibt einem gar nichts anderes übrig, als voller Zuversicht in den Tag zu starten. Und scheinbar hat Ganesha auch schon einiges vollbracht, denn in den letzten Tagen hatte ich auf mehreren Ebenen ein paar kleine Hindernisse zu überwinden.

Indien ist so durchdringend, daß es jeden verändert, der hierher reist. Das höre ich von allen Seiten. Was ist es, das mich verändert? Die Tatsache, daß ich schon fast einen Monat hier bin und mich aklimatisiert habe, nicht mehr nur noch baff bin vor Fremdem, sondern richtig hinschauen kann? Der Fakt, daß ich mich täglich mit meinen Yogaübungen – sowohl physisch, philosophisch und mental beschäftige? Die Tatsache, daß meine Projekt in Deutschland sich weiter und weiter und weiter verzögern?
Fest steht, daß in den letzten Tagen nichts mehr fest stand. Ich habe mein Herz geöffnet für das Experiment Yoga, und mit sch gebracht hat dies den Wunsch nach einer größeren Intensität. Plötzlich wollte ich nicht mehr nach Delhi zurück – in die Stadt, in die Arbeit, in die Medienkreise, in Projekte Projekte Projekte. Ich möchte mich auf diese eine Sache konzentrieren, und soviel daraus mitnehmen, wie es geht. Aber was ist mit dieser grossartigen Chance, diese Menschen in Delhi kennen zu lernen? Was ist mit mir los, dass ich plötzlich keine Ideen mehr habe, dass ich mal NICHT arbeiten will?
Ich entdecke unbekannte Seiten an mir und stelle fest – es stimmt ja gar nicht, daß ich NICHT arbeite. Ich studiere fleissig. Aber anders. Trotzdem. Soll ich es wirklich riskieren?

Ich renne ein paar Tage ziemlich aufgewühlt durch diesen friedfertigen Ort, spreche mit Freunden, Bekannten, gerade Getroffenen. Niemand wundert sich über meine Aussagen. Und alle sagen dasselbe: Folge deinem Gefühl.
Aber wo ist mein Gefühl?
Ich gehe in den grossen HinduTempel auf der anderen Seite der Brücke. Ablenkung, was neues sehen. Dort gibt es noch mehr Heilige als in meinem Haustempel. Das Gebäude ist treppenförmig, spitzt sich nach oben zu – bestimmt 7 oder 8 Etagen voller Schutzpatrone. Vor jedem Raum mit Heiligen hängen dicke Glocken und auch die Gänge sind gesäumt mit Glocken. Ein eifriger Inder begleitet mich durch die erste Etage und erklärt mir (zum 20mal, ich kann es mir immer noch nicht merken, wer wer ist) die indischen Gottheiten. Ich müsse die Glocken läuten. In jedem Raum.
Anfänglich komme ich mir ziemlich bescheuert vor – denn ich bin die einzige Weisse in diesem Tempel. Aber dann entdecke ich die Freude am bimmeln. Und bimmel mich die gesamten 8 Etagen nach oben, bis meine Ohren nur noch klingen und meine Gedanken irgendwo in Schall und Rauch aufgegangen sind. Die indischenTempelbesucher freuen sich über mich und ich freue mich noch mehr. Bis ich oben angekommen bin, muss ich mich mit 3 verschiedenen Gruppen fotografieren lassen. Warum habe ich eigentlich meine Kamera nicht dabei? Ich hatte mir doch vorgenommen, von nun an immer auch ein “Gegenportrait” mit meiner Kamera zu machen.

Wieder unten und auf dem Boden angekommen geht es mir schon etwas besser. Aber eine Entscheidung treffen kann ich trotzdem nicht. Und dann kommt auch noch das beste dazu: wie aus dem Nichts – und von was eigentlich (ich esse doch nur gutes Essen und trinke reines Wasser) – erwischt mich die berühmte Diarrhea. Ganz grosses Kino.
Ich nehme es mal ganz philosophisch: Lass los, Tine. Drei Tage versuche ich es noch mit Grübeln – das Wetter ist bedeckt und stürmisch. Meine Nächte sind kurz und durch millionenfaches Aufstehen und aufs Klo rennen bestimmt.

Und dann entscheide mich, dass ich meine anfänglichen Pläne in den Himalyawind schiesse, und das mache, was mir gerade gut tut: hier bleiben. Innerhalb von einem Tage nach meiner Entscheidung für einen Yoga-Teacher-Training-Course, für Rishikesh, gegen Delhi, gegen die Residency – meiner Entscheidung, zum Arzt zu gehen und meinen Flug ein bißchen nach hinten zu schieben, passieren tausend Dinge.
Meine neue Freundin Bellu, mit der ich seit einer Woche jeden Tag zum Yoga und Abendessen gehe, entscheidet sich, den selben Teacher-Training-Course zu machen. Sie tut ein Haus auf, was wir zu 90% in den kommenden Wochen mieten können. Dann haben wir viel mehr Platz, unser eigenes Bad, weniger laufende Kosten – und endlich eine eigene Küche!! Mein Yogalehrer setzt mich auf sein Motorrad und fährt mich zum Doktor, kauft mir Medikamente und Obst. Ein anderer Freund bietet mir an, dieses verflixte Bild mit nach Delhi mitzunehmen, was ich jemandem versprochen hatte und dort unbedingt abliefern muss.

Jetzt ist alles wieder gut. Und doch alles anders.
Same same but different.
Danke Ganesha.

P.S.: es gibt jetzt einen Grund, warum man eine indische Hochzeit haben will:
Traditionell feiern die Frauen mit der Braut für zwei Tage und die Männer mit dem Bräutigam. Am dritten Tag holt der Bräutigam die Braut ab und führt die Feier-Gesellschaft zusammen. Wahlweise kommt er in einer Trage, auf einem Pferd oder AUF EINEM ELEFANTEN dahergeritten. Und jetzt ratet mal, für welche Möglichkeit ich mich entscheiden würde….

more>
http://en.wikipedia.org/wiki/Ganesha

Join – and Joy is guaranteed!

March 2nd, 2010 by admin

rish_joinyoga